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Programm

24.01.2018 19:00 - 29.03.2018

Josef Sudek: Topographie der Trümmer. Prag 1945

Gleich in den ersten Tagen nach Kriegsende begab sich Josef Sudek (1896–1976), einer der weltweit anerkanntesten tschechischen Fotografen des 20. Jahrhunderts, in die Straßen von Prag, um die Schäden zu dokumentieren, die der Krieg hinterlassen hatte. So entstand eine ungewöhnliche Serie von fast 400 Fotografien, die sowohl dokumentarischen als auch künstlerischen Charakter haben. Die Aufnahmen zeigen zerstörte Gebäude, demontierte Skulpturen und Denkmäler, aber auch Vorrichtungen zum Brand- und Luftschutz. Die Negative werden heute im Institut für Kunstgeschichte an der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Prag aufbewahrt. Vierzig dieser bisher noch nie gezeigten Fotografien in neu angefertigten Vergrößerungen stellt nun die Ausstellung in der Galerie des Gerhart-Hauptmann-Hauses in Düsseldorf vor. Mit ihr begeht ein Ausstellungsprojekt seine Premiere, das in dieser Form nach Mailand, Rom, Paris und Warschau ziehen und im Sommer 2018 dann in einer erweiterten Version auch in Prag zu sehen sein wird.

Vor allem zwei historische Ereignisse aus den letzten Kriegsmonaten haben thematischen Eingang in Sudeks Fotografien gefunden. Das erste war die irrtümliche Bombardierung Prags durch alliierte Flugzeuge am 14. Februar, bei der vor allem Denkmäler im Stadtbezirk Prag 2 Schaden nahmen. Hierbei war Sudek vor allem an der Gegend um das stark zerstörte Emmauskloster interessiert, in dessen Inneren ihn die verborgene Poesie von Ruinen und Unordnung oder das durch die zertrümmerten Decken einfallende Licht interessierten. Im Mai 1945 fand der Prager Aufstand statt, der zur fatalen Zerstörung des Altstädter Rathauses führte. Von den damals beschädigten Sehenswürdigkeiten hat Sudek vor allem den Altstädter Ring und das zurückkehrende Stadtleben dokumentiert. Ein weiterer Bereich, der Sudek als eigenständiges künstlerisches Sujet interessierte, war das Lager beschlagnahmter Skulpturen und Glocken in Prag-Maniny, wo er vor allem Plastiken aus Prager Denkmälern fotografierte, die zu zufälligen Assemblagen von surrealistischer Anmutung angeordnet waren. Im gesamten Zyklus lassen sich auch einzelne Bilder von leeren Sockeln auf öffentlichen Plätzen finden, die während der Besatzung „ihre“ Skulpturen verloren hatten, von Feuerlöschbecken, die oft für lange Zeit den Charakter vieler Prager Plätze verändert haben, oder auch von einer verlassenen Barrikade.

Die Fotoserie entstand offensichtlich als Auftragsarbeit für den Prager Verleger Václav Poláček. In vielen Aufnahmen finden sich Zeichen, die charakteristisch für Sudeks Schaffen sind – zum Beispiel des Motiv eines Fensters, das sich immer wieder verändert, Lichtstrahlen, die in ein Kircheninneres einfallen, oder die verbogene Schönheit von Unordnung. Einige Aufnahmen tragen die Spannung des Grauens in sich, das in einer merkwürdig surrealen Schönheit daherkommt, andere sind melancholisch monumental. Václav Poláček verwandte die Fotografien zur Illustration seines Wochenkalenders für das Jahr 1946, der mit dem Untertitel Kulturelle Verluste in Prag 1939 – 1945 sowie mit einem begleitenden Text des Denkmalpflegers und Kunsthistorikers Zdeněk Wirth herausgegeben wurde.

Josef Sudek (1896–1976) ist eine Legende der tschechischen Fotografie, und vor allem als ein Bildromantiker bekannt. Zu seinen liebsten Fotosujets gehörten Stillleben, Fenster, Gärten, imaginative, inszenierte Aufnahmen, Prager Motive oder Landschaften wie der Urwald in den Beskiden oder die Industrieregion Most. Neben seinem freien Schaffen betrieb Sudek in den 1920er bis 1940er Jahren auch ein Auftragsatelier. Sein Werk umfasst einige zehntausend Fotografien, die in öffentlichen und privaten Sammlungen in der ganzen Welt zu finden sind.

 

Kuratoren: Katarína Mašterová, Mariana Kubištová und Vojtěch Lahoda

Fotografien: Josef Sudek

Neue Vergrößerungen : Vlado Bohdan

Ausstellungsarchitektur: Barbara Zedková und Lenka Mrzílková (Studio Miaow)

Graphikdesign: Martin Groch und Tim+Tim

Dank an: Simona Binková, Adam Havlík, Markéta Janotová, Adéla Kremplová, Tereza Koucká, Taťána Langášková, Lenka Lindaurová, Martin Pavlis, Veronika Řeháčková

 

Eröffnung: Mittwoch, 24.1.2018, 19:00 Uhr in Anwesenheit des Fotografen Vlado Bohdan

 Ausstellungsdauer: Donnerstag, 25.1.2018 – Donnerstag, 29.3.2018

Öffnungszeiten: 
Mo, Mi            10:00 – 17:00
Di, Do             10:00 – 19:00
Fr                    10:00 – 14:00


Begleitprogramm:

Dienstag, 27.2.2018, 19:00 Uhr, Vortrag von Mariana Kubištová, Ph.D.

Eintritt frei

Die Ausstellung ist ein Projekt des Instituts für Kunstgeschichte an der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Zusammenarbeit mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf und dem Tschechischen Zentrum Düsseldorf. Die Ausstellung entstand als Ergebnis des Projekts „Josef Sudek und die fotografische Dokumentation von Kunstwerken: vom privaten Kunstarchiv zur Repräsentation des Kulturerbes“ (sog. Sudek Project), das im Rahmen des Programms zur angewandten Erforschung und Entwicklung der nationalen und kulturellen Identität (NAKI II), Id-code: DG16P02M002, vom Kulturministerium der Tschechischen Republik gefördert wurde. Mehr Informationen zu dem Projekt: www.sudekproject.cz.

 

Veranstaltungsort:

Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, 40210 Düsseldorf

Datum:

Von: 24.01.2018 19:00
Bis: 29.03.2018

Veranstalter:

Das Tschechische Zentrum ist Mitveranstalter


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